Tierarztpraxis Dr. Roger Bour - Höchstadt / Aisch

 

Juni 2013              Rhodesian Ridgebackrüde „Asim“

 

Der wunderschöne und imposante neunjährige Rhodesian Ridgeback Rüde Asim wurde uns mit starker Kopfschiefhaltung vorgestellt. Der sonst so freundliche und zugängliche Hund hatte gar keine Zeit für eine Begrüßung, ständig schüttelte Asim den Kopf und sobald man nur in seine Nähe kam, fing er an zu jammern.

Seine sehr „Hundeohren erfahrenen“ Besitzer hatten bereits die richtige Diagnose gestellt. Asim hatte am linken Ohr ein riesengroßes Othämatom, landläufig auch als „Blutohr“ bezeichnet. Durch ein geplatztes Gefäß hatte sich über Nacht eine große Menge Blut zwischen Knorpel und Haut des Ohres angesammelt. Für Asim war der Druck kaum aushaltbar. Durch Stichinzision auf der Innenseite der Ohrmuschel haben wir zunächst das Blut abfließen lassen und dann mit einem resorptionsfördernden Medikament  unterspritzt. Der tapfere Rüde ließ alles ohne Betäubung über sich ergehen und sofort merkte man, dass bei nachlassendem Druck auch der Schmerz für Asim erträglich wurde. Wie im Allgemeinen üblich, füllt sich die Ohrmuschel recht schnell wieder mit Blut, so dass in aller Regel und so auch in diesem Fall eine mehrmalige Punktion in den folgenden Tagen notwendig wurde. Da meistens ursächlich, wie auch bei Asim, eine starke Ohrentzündung vorliegt, musste diese gleichzeitig intensiv mitbehandelt werden. Mit Unterstützung der Medikamente kommt es im weiteren Verlauf zu einer Spontanresorption des Hämatoms innerhalb von 4-6 Wochen, führt aber meist zu einer bindegewebigen Organisation und narbiger Einziehung mit Umformung der Ohrmuschel. Bei Asim entwickelten sich allerdings erhebliche Komplikationen im Krankheitsverlauf, so dass wir nach 6 Wochen erneut die blutgefüllte Ohrmuschel diesmal mit zwei großen Schnitten eröffnen und die chronische Otitis medikamentell behandeln mussten. Auch diesmal ertrug Asim die Prozedur heldenhaft und akzeptierte auch die verordneten Kopfverbände, die ihn daran hindern sollten allzu sehr mit dem Kopf und Ohr zu schütteln hervorragend. Nach 3 Wochen waren wir mit dem Ergebnis soweit zufrieden.

Othämatome kommen sowohl bei Hunden als auch bei Katzen vor und können als fluktuierende, flüssigkeitsgefüllte Schwellung der konkaven Oberfläche des Ohres beschrieben werden. Hierbei ist die konkave Ohrmuschelfläche partiell oder komplett betroffen. Alternativ zur konservativen Behandlung kann auch eine Othämatomoperation erfolgen, durch die kosmetisch meist bessere Erfolge zu erzielen sind und für Züchter oder Rassehundbesitzer häufig in Betracht kommt.

   


 Mai  2013               Dackelmischling „Cindy“                           

 

Die Dackelmischlingsdame Cindy wurde uns Anfang Mai vorgestellt. Die 11-jährige Hündin lag teilnahmslos in ihrem Körbchen und hatte ganz gläsrige Augen. Beim Fiebermessen kletterte die Körpertemperatur schnell auf beinahe 41°C. Kein Wunder, dass Cindy sich kaum noch rührte.

Zunächst hatten wir den Verdacht, da die Hündin acht Wochen zuvor läufig war, dass eine Gebärmutterentzündung die Ursache für Cindys schlechten Zustand und das hohe Fieber ist. Doch eine Röntgenuntersuchung gab schnell Aufschluss darüber, dass im Bauchraum „alles in Ordnung“ war. Zwei weitere Tage war das Fieber medikamentell kaum zu beeinflussen und nur durch Infusionen und Schmerzmittel war der Zustand für Cindy einigermaßen zu ertragen. Wir waren ratlos, woher Fieber und Leukozytose herrührten. Am dritten Behandlungstag konnten wir endlich die Ursache erkennen. Cindy entwickelte an der linken Gesäugeleiste eine riesige Schwellung mit einer massiven Entzündung. Sofort unterstützten wir die Abszessbildung mit speziellen Medikamenten, worauf sich zügig eine größere Eiteransammlung entleerte. Von dem Moment an ging es der Hündin deutlich besser und das Antibiotikum vermochte die restliche Entzündung zurückzudrängen. Nach einer guten Woche war Cindy beinahe wieder die Alte. Die lustige Dackeldame konnte in der Praxis wieder „Männchen machen“ und betteln.

Die Entzündung des Gesäuges medizinisch als Mastitis bezeichnet, entsteht nach der Läufigkeit, nach der Geburt oder bei Scheinträchtigkeit. Der Gesäugekomplex ist vergrößert, gerötet und äußerst schmerzhaft. In weiterer Folge können Abszesse, Nekrosen und Symptome einer Septikämie auftreten. Mitunter wird neben einer Antibiotikatherapie eine chirurgische Resektion erforderlich.

  


April   2013                  Kater „Mike“

 

Im April wurde uns „Mike“, ein schwarz-weißer, 13 Jahre alter EKH-Kater vorgestellt.

Mike ist ein alter Bekannter in unserer Praxis, der in den letzten Jahren immer wieder, so auch dieses Mal, mit der gleichen Symptomatik vorgestellt wurde. Sine Besitzerin berichtete, dass Mike akut seit ein paar Stunden keinen Urin absetzen könne. Durch Abtasten des Abdomens konnte die übervolle Blase schnell gefunden werden. Da wir den Kater und seine Krankengeschichte gut kennen, konnten wir auf eine Röntgenaufnahme zur weiteren Diagnostik verzichten.

Wir legten Mike direkt in eine tiefe Kurznarkose und versuchten die Harnröhrenobstruktion im Penis mittels Katheterisierung zu beheben. Anders als bei den letzten Malen gestaltete sich das Schieben des Harnkatheters und Freispülen der Harnröhre diesmal als äußerst aufwendig und langwierig. Nach gut einer dreiviertel Stunde war der grieselige Pfropf im Penis beseitigt und der Harnkatheter lag. Wir befestigten diesen für die nächsten 2 Tage, verpassten Mike einen Halskragen und nahmen ihn stationär auf. Um die Nierentätigkeit anzuregen und die Blase damit „durchzuspülen“ bekam der Kater noch für 48 Stunden eine Dauertropfinfusion und wurde nach dem Ziehen des Harnkatheters nach Hause entlassen. Doch schon wenige Tage später, hatte der Kater erneut Schwierigkeiten Urin abzusetzen. Wir rieten der Besitzerin eine Penisamputation in der Tierklinik durchführen zu lassen, damit Mike dauerhaft geholfen werden kann. Da sein „Frauchen“ mittlerweile recht erfahren in „Sachen Harnröhrenverschluß“ war, befürwortete sie auch die OP und ließ den Eingriff unmittelbar durchführen. Bereits nach wenigen Tagen wurde Mike nach der geglückten Operation entlassen und hat voraussichtlich zukünftig keinerlei Probleme mit dem Harnabsatz, wobei er weiterhin seine Spezialnahrung zur Vermeidung von Harnkristallbildung bekommt.

Die meisten Fälle von Harnwegsobstruktion  sind durch einen Matrix-Kristall-Pfropfen bedingt. Die Mineralzusammensetzung  zeigt, dass das Auftreten von Struvitkristallen am häufigsten vorkommt, seltener sind Calciumoxalat oder –phosphatkristalle. Eine Harnwegsobstruktion führt unabhängig von der Ursache zu Dehydration, Elektrolyt- und Säure-Base-Verschiebung. Obstruktionen, die länger als 3-6 Tage bestehen führen unweigerlich zum Tode des Tieres.

  


März 2013                Kaninchen „Urmel“

 

  

Urmel, ein 2 Jahre altes männliches Löwenkopf-Kaninchen ist ein häufiger Gast in unserer Praxis. Das Tier hat von klein auf an immer wieder Probleme mit Harngries und damit verbundenen Entzündungen der Harnblase. Dieses Mal ging es Urmel extrem schlecht, das Kaninchen nahm kaum noch Nahrung zu sich und war auch deutlich reduziert im Allgemeinbefinden, kauernd saß er die meiste Zeit in einer Ecke und interessierte sich auch kaum noch für seinen kleinen Besitzer, den 8 Jahre alten Tim.

Da sich der Zustand auf die Erstbehandlung nicht wirklich besserte und sich Urmel zu Hause kaum noch füttern ließ, nahmen wir Urmel stationär auf. Eine Blutuntersuchung ergab, dass bereits der gesamte Stoffwechsel von Urmel entgleist und insbesondere die Nierenfunktion stark beeinträchtigt war. Eine einwöchige Dauertropfinfusion, verbunden mit der Gabe von Diuretika sowie die intensive Nahrungszufuhr mittels Sondennahrung durch unsere Helferinnen Nicole und Sonja, verbesserten den Zustand erheblich, was sich in der Blutkontrolle bestätigte. Nicole, unser Kaninchenfan hat Urmel eine weitere Woche liebevoll bei sich zu Hause betreut , um den Gesundheitszustand weiter zu stabilisieren.

Eine Harnsteinbildung wird beim Kaninchen häufiger beobachtet.  Als Ursache werden vor allem falsche Futterzusammensetzung (Kalzium-, Vitamin-D-Überversorgung) und chronische Harnwegsinfekte angesehen. Deshalb sollten Kaninchenbesitzer zur Prophylaxe die Fütterung von stark kalziumhaltigem Futter wie z.B. Grünrollis, Luzerne, Wiesenheu, Buntfutter, Petersilie und Löwenzahn vermeiden und stattdessen auf die vermehrte Gabe von Feuchtfutter wie z.B. Äpfel, Wurzelgemüse und Salate achten.

 


 

 Februar 2013                            Kater „Jimmy“   

 

 

Jimmy, ein wunderschöner silberfarbener, 4 Jahre alter unkastrierter Kater  wurde uns Faschingsdienstag im Notdienst vorgestellt. Sein aufgeregter Besitzer hatte uns bereits am Telefon versucht in gebrochenem Deutsch zu erklären, dass sich Jimmy eine Verletzung im Schwanzbereich zugezogen hätte. Erst als ich Jimmy in der Praxis untersuchte, konnte ich das Ausmaß der Verletzung abschätzen. Die Haut des Schwanzes fehlte auf seiner gesamten Länge sowie einige Zentimeter im Rückenbereich.

Es war klar, dass wir Jimmys Schwanz amputieren müssten, weniger klar erschien mir,wie ich das fehlende Hautstück im Rückenbereich ersetzen könnte.  Die Operation verlief komplikationslos, nur traten im Anschluss doch wie erwartet massive Wundheilungsstörungen im Bereich der Schwanzwurzel auf. Der Zug auf die Wundnaht war durch die fehlenden Hautbezirke einfach zu groß. Wir entschlossen uns Jimmy stationär aufzunehmen und versorgten die Wunde in den kommenden vier Wochen mehrmals täglich mit Wechselbädern, desinfizierenden Lösungen und die Wundheilung fördernden Salben. Die aufwendige und sicher manches Mal auch schmerzhafte Nachsorge ertrug der Kater mit erstaunlicher Geduld. Wir hatten den Eindruck, dass das sehr intelligente Tier genau wusste, wie sehr wir ihm helfen wollten und dass „Jimmy“ der bis dato nur Türkisch verstand so ganz nebenbei einen Deutschkurs mit absolviert hat. Die Mühe hat sich gelohnt, der große „Loch“ in Jimmys Haut ist zugranuliert.

Schwanzamputationen werden bei Katzen nach größeren Verletzungen der Haut, aber auch nach Abrissen von Gefäßen oder Nervenschädigungen erforderlich. In der Regel verlaufen die Operationen gut und die Katze gewöhnt sich recht schnell  daran, dass sie die fehlende Steuerung der Balance bei Sprung und Fall berücksichtigen muss.

  


Januar 2013             Boxerhündin „Snoopy“

 

 

Snoopy, die 10 Jahre alte weiße Boxerhündin von Steffi, einer sehr guten Freundin von mir, sorgte Silvester für Aufregung! Nach der Sprechstunde wollte ich bei Steffi und ihrer Familie vorbeischauen, um einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen. Snoopy, die sonst stets lebhafte und gut gelaunte Hündin erschien diesmal gar nicht an der Tür, um mich zu begrüßen. „Merkwürdig“ dachte ich mir noch, als Steffi auch schon mit kummervoller Miene meinte „Snoopy“ ginge es seit ein paar Tagen gar nicht gut, sie fräße kaum, müsse sich oft erbrechen und hätte einen ungewöhnlich dicken Bauch. Natürlich untersuchte ich den Hund und nach wenigen Augenblicken stand die Diagnose fest: in Snoopys Bauchraum hatte sich ein ca. kindskopfgroßer Tumor gebildet. Ich erklärte Steffi kurz meinen Befund und sagte ihr, dass nur eine Operation das Leben der Hündin retten könne.

Snoopy hatte unendlich Glück, dass sich in der Operation herausstellte, dass der Tumor von der Milz ausgehend, keine weiteren Organe befallen hatte. So haben wir Snoopy in einer 2,5 Stunden dauernden Operation den riesigen Tumor sowie die Milz entfernt. Trotz ihres fortgeschrittene Alters und ihres angeborenen Herzfehlers hat die Hündin die Operation gut überstanden und war recht schnell wieder die fröhliche, quirlige Snoopy!

Milztumore kommen bei Hunden fortgeschrittenen Alters immer wieder vor. In der Regel sind sie bösartig und wachsen in kürzester Zeit zu enormer Größe heran. Da die Milz extrem gut durchblutet ist, drohen die Tumore bei Nichterkennung zu platzen und die Tiere  können rasch verbluten.

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